DDR-Zeitzeuge Gerd-Rainer Dietzel an der Realschule Oberroning
Im Rahmen des Unterrichts besuchte der Autor Gerd-Rainer Dietzel die zehnten Klassen der Realschule Oberroning. Herr Dietzel berichtete dabei aus seinem Leben in der DDR und gab den Schülerinnen und Schülern einen eindrucksvollen Einblick in persönliche Erfahrungen mit der SED-Diktatur.
Anhand seiner eigenen Lebensgeschichte schilderte er, wie politische Zwänge und staatliche Repressionen seinen Bildungs- und Lebensweg beeinflussten. Bereits während seiner Schulzeit wurde ihm die Teilnahme an den Konfirmationsstunden untersagt, da seinem Vater bei einem Verstoß der Verlust des Arbeitsplatzes gedroht hätte. Trotz großer Anstrengungen und schulischem Ehrgeiz war sein weiterer Bildungsweg immer wieder von politischen Vorgaben abhängig. So scheiterte auch die Möglichkeit einer Promotion an der Universität Jena an der fehlenden Bereitschaft, der SED beizutreten.
Besonders bewegend waren seine Schilderungen über das Leben mit der schweren Erbkrankheit Hämophilie A. Die lebensnotwendigen Medikamente waren in der DDR nur sehr eingeschränkt verfügbar. Trotz zahlreicher schriftlicher Eingaben und Anträge auf Behandlung im Ausland wurde ihm eine angemessene medizinische Versorgung verweigert. Stattdessen wurde er von der Prophylaxe ausgeschlossen, was zu häufigen krankheitsbedingten Ausfällen führte.
Nach einem Berufs- und Arbeitsverbot wurde Herr Dietzel im Juni 1988 zwangsweise aus der DDR ausgebürgert. Erst in Westdeutschland konnte er sich gesundheitlich erholen und seine berufliche Tätigkeit fortsetzen.
Der Besuch hinterließ bei den Schülerinnen und Schülern einen nachhaltigen Eindruck. Durch die persönlichen Erlebnisse wurde die Geschichte der DDR anschaulich und greifbar vermittelt. Die Begegnung zeigte eindrucksvoll, wie politische Systeme das Leben einzelner Menschen prägen können, und leistete einen wichtigen Beitrag zur Erinnerungskultur und politischen Bildung an der Realschule Oberroning.
E. Just