Zwei Koffer, 30 Minuten – und die Orgel spielt

Regionalkantor Henri Böhme begeistert Neuntklässler der Realschule Oberroning – Besuch auf der Kirchenempore krönt das Projekt

Zwei unscheinbare Koffer stehen vor den Schülerinnen und Schülern. Schrauben, Holzrahmen, Pfeifen, Blasebalg. „Daraus soll eine Orgel werden?“ – Skeptische Blicke in den 9. Klassen der Realschule Oberroning der Schulstiftung der Diözese Regensburg. Dreißig Minuten später erklingt der erste Ton. Staunen. Applaus.

Möglich macht das der Regionalkantor Henri Böhme mit dem Orgelbausatz „Al:legrO“ des Diözesanreferats Kirchenmusik im Bistum Regensburg. Schritt für Schritt bauen die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihm und ihren Musiklehrkräften Lisa Inderst und Norbert Hintermeier ein spielbares Instrument zusammen. Sie montieren Pfeifen, setzen die Windlade ein, schließen die Mechanik an. Plötzlich wird sichtbar, was sonst verborgen bleibt: Wie Luft durch Pfeifen strömt. Wie Tasten Bewegungen übertragen. Wie aus Technik Klang entsteht.

„Ich hätte nicht gedacht, dass das so schnell funktioniert“, meint eine Schülerin beeindruckt. Tatsächlich verwandeln sich zwei Koffer innerhalb kurzer Zeit in ein Instrument, das den Raum mit warmen, kräftigen Tönen füllt.

Doch das Projekt bleibt nicht nur „im Klassenraum“. Nach dem praktischen Einstieg geht es in der Expositurkirche Mariä Himmelfahrt in Oberroning hinauf auf die Empore zur großen Orgel. Hier zeigt der Regionalkantor, wie viel komplexer das „Original“ ist: Hunderte, manchmal, zum Beispiel bei Domorgeln, sogar Tausende Pfeifen, mehrere Register, gewaltige Klangfülle. Die Jugendlichen dürfen einen ganz nahen Blick wagen und erleben, wie der Kirchenraum vom Orgelklang getragen wird.

Schulleiter Norbert Hintermeier zeigt sich beeindruckt von der besonderen Unterrichtsstunde. Er dankt Regionalkantor Böhme ausdrücklich für das Engagement und die anschauliche Vermittlung: „Solche Projekte machen Schule lebendig. Unsere Schülerinnen und Schüler konnten heute Musik, Technik und Handwerk ganz praktisch erleben.“ Es sei wichtig, kulturelle Bildung nicht nur theoretisch zu behandeln, sondern erfahrbar zu machen.

Der direkte Vergleich zwischen Bausatz und großer Kirchenorgel hinterlässt bleibenden Eindruck. Technik, Handwerk und Musik greifen ineinander – und ein Instrument, das viele nur aus dem Gottesdienst kennen, wird plötzlich greifbar.

Die Aktion verfolgt neben der Erfüllung des Lehrplans auch ein weiteres Ziel: junge Menschen wieder für die Orgel zu begeistern. Denn im Alltag vieler Jugendlicher spielt sie kaum noch eine Rolle. Mit Projekten wie diesem kommt die Orgel dorthin, wo die Jugendlichen sind – ins Klassenzimmer. Und am Ende vielleicht auch ins Herz.

Norbert Hintermeier